Deutsche
Klimafinanzierung
Der deutsche Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung
Projektdatenbank zur deutschen Klimafinanzierung

Programm Waldschutz (Sociobosque) und REDD

Ecuador, Mittel- und Südamerika, 2011

Eckdaten
Land/RegionEcuador, Mittel- und Südamerika
Ländereinordnung Upper Middle Income Country
Summe 10 000 000 €
(Zuschuss)
davon „Klima“-Anteil 10 000 000 €
Finanziert über BMZ Finanzierungsinstrument allgemeine FZ/TZ (bilateral)
Jahr 2011 Projektzeitraum 2011 - 2016
Sektor Waldschutz/REDD+
Rio Marker Minderung 2 Rio Marker Anpassung 0
Projektträger KfW Entwicklungsbank, Frankfurt am Main
Projektpartner
Anrechnung auf X 0,7% - Ziel der Entwicklungszusammenarbeit
X Fast-Start-Zusage 2010-2012
X Biodiversitätszusage 2009
X Beitrag zur l'Aquila Zusage für Ernährungssicherheit

Das Programm Socio Bosque leistet unter bestimmten Voraussetzungen Ausgleichszahlungen für den Waldschutz an Waldbesitzer und bietet damit eine wirtschaftliche Alternative zur illegalen Holznutzung. Obwohl die Anreize relativ gering sind (0,5 bis 50 US-Dollar je Hektar und Jahr), sind sie gerade für indigene und afro-ecuadorianische Gemeinden von erheblicher Bedeutung. Dementsprechend groß ist die Nachfrage. Das Programm schließt Verträge über 20 Jahre mit den Partnern – Gemeinden oder Privatpersonen – und kontrolliert deren Einhaltung jährlich. Derzeit werden auf diese Weise schon über 800.000 Hektar Wald geschützt – der tatsächliche Bedarf wird jedoch auf das Fünffache geschätzt. Parallel zum Programm für Kleinbauern und indigene Gruppen verbessert die ecuadorianische Regierung die Kontrolle der Holzwirtschaft. So wurde 2009 eine neue Internetplattform eingeführt, um die Genehmigungen zur Forstnutzung zu erfassen und zu kontrollieren. Ein wesentliches Ziel der deutsch-ecuadorianischen Kooperation ist – ergänzend zum Schutz weiterer Waldflächen – die Erschließung zusätzlicher internationaler Mittel für REDD, um eine nachhaltige Finanzierung der Aufgaben sicherzustellen.

 

+ zusätzliche Informationen zum Projekt

KfW (2013): Ex-post-Evaluierung: Kurzbericht ECUADOR: Wiederaufforstung und Waldschutz, Chongón-Colonche, KfW (2012): REDD and Indigenous Peoples. REDD Expert Dialogue 3. https://www.kfw-entwicklungsbank.de/migration/Entwicklungsbank-Startseite/Entwicklungsfinanzierung/Sektoren/Naturressourcen-und-Tropenwald/REDD-Professional-Dialog-3-REDD-and-Indigenous-Peoples.pdf     

Die Ex-post Evaluierung eines Projekts mit Kleinbauern und indigenen Völkern in einer Region mit hoher Entwaldungsrate schreibt in ihrem Gesamtvotum zum evaluierten Projekt, "Es diente als Modell und leistete einen finanziellen Beitrag zum öffentlichkeitswirksamen landesweiten Waldschutzprogramm der ecuadorianischen Regierung („Socio Bosque“)."  Gleichzeitig resümiert der Kurzbericht die Nachhaltigkeit des Projekts in Bezug auf Sociobosque wie folgt: "das Regierungsprogramm „Socio Bosque“ kooperiert nicht mit Gemeinschaften und Einzelpersonen, die keine Grundstücksrechte besitzen. [...] weigert sich „Socio Bosque“, durch das Projekt ausgebildete Förster direkt zu beschäftigen, und laut einigen Informanten riet man den Gemeinschaften ab, diese selbst einzustellen. Darüber hinaus arbeitet „Socio Bosque“ nicht mit den Übergangs-/Pufferzonen außerhalb der Grenzen des Waldschutzgebietes zusammen."

https://www.kfw-entwicklungsbank.de/PDF/Evaluierung/Ergebnisse-und-Publikationen/PDF-Dokumente-E-K/Ecuador_Forst_2013_D.pdf, Juni 2015

Infoe (2013): Waldschutzvorhaben im Rahmen der Klimapolitik und die Rechte indigener Völker

Die infoe Fallstudie 'Herausforderungen in der Umsetzung des Socio Bosque Programms' resümiert in Bezug auf die Wahrung des Rechts Indigener Völker auf 'freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC): "In den verschiedenen Sociobosque Projekten welche in den Territorien der indigenen Völker Ecuadors zu Stande kamen, gibt es oftmals Probleme durch mangelnde Information über dasSociobosque Programm von Seiten des Umweltministeriums. Das Volk der Kichwa aus Guamaní hat seit dem Jahr 2010 ein Sociobosque Projekt. Damals wurde nicht ausreichend über dasProgramm informiert, denn erst 2012 bekamen die Bewohner einen Bescheid, dass auch 30Meter zu beiden Seiten eines Flusses zum Sociobosque Gebiet gehören, was ihnen vorher nicht bekannt war. Bei der Versammlung der Sápara in Suraka, Pastaza, im April 2012, zeigte sich, dass das Umweltministerium die Sápara von Anfang an nur ungenügend informiert hatte. Der Sociobosque Vertrag und die Karten, welche auf der Versammlung von einer NRO vorgestellt wurden, schienen den meisten der Anwesenden vollkommen unbekannt. Ein weiteres Problem ist die Sprache,denn ein Teil der Sápara spricht nicht ausreichend Spanisch, um komplexe Themen wie Sociobosque zu verstehen; Übersetzungen des Sociobosque Vertrag liegen nicht vor. [...] In Gebieten, wo Landnutzungskonflikte voraussagbar sind (wie im Territorium der Sápara) ist es unverantwortlich, auf einer Erweiterung des Gebietes zu bestehen, ohne dass es vorhergehende Studien zur Situation der Landnutzung gäbe. Auch ist ein Sociobosque Vertrag keine Garantie dafür, dass in dem entsprechenden Gebiet nicht doch Erdöl oder Minerale gefördert werden."

http://www.infoe.de/web/images/stories/pdf/infoe_waldstudie_final_net.pdf, Juni 2015

WRM (2015): “REDD: A Collection of Conflicts, Contradictions and Lies”. Kapitel 'Sometimes REDD, sometimes not: SocioBosque Programme, Ecuador'

Die Zusammenfassung von Berichten zum SocioBosque Programm der ekuadorianischen Regierung erwähnt, dass das Programm im März 2014 einen fünf-Jahresvertrag über den Verkauf von Emissionsgutschriften aus SocioBosque Gebiete an die ekuadorianische Niederlassung des Autoherstellers GM unterzeichnet hat, und somit neben staatlichen Geldern auch durch den Verkauf von umstrittenen Emissionsgutschriften am freiwilligen Kohlenstoffmarkt finanziert wird. Die Zusammenfassung verweist ausserdem auf einen Evaluierungsbericht, der das SocioBosque Programm sehr positiv bewertet, aber dennoch zum Schluss kommt, dass "der langfristige Erfolg des SocioBosque Programms erst noch nachgewiesen werden muss."

http://www.germanclimatefinance.de/2015/03/26/redd-conflicts-contradictions-lies/, Juni 2015

 

Entwicklungpolitische Analyse

Über die Klimafinanzierung geförderte Maßnahmen müssen auch entwicklungspolitischen Kriterien genügen. Für Maßnahmen, die im Zeitraum 2010-2012 bewilligt wurden, haben wir öffentlich verfügbare Projektbeschreibungen danach untersucht, ob einige ausgewählte Aspekte bei der Formulierung von Zielen und Maßnahmen explizit berücksichtigt wurden.
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  • Diese Maßnahmen:
  • tragen zu langfristigem Klimaschutz und zur Erreichung des 2°-Ziels bei
    • Hat das Projekt einen Rio-Marker Minderung von 2 oder einen Rio-Marker Minderung und Anpassung von jeweils 1?
    • Fördert das Projekt die Einführung neuer Klimatechnologien bzw. technologischer/sozialer Innovation?
    • Fördert das Projekt die Verbesserung der Rahmenbedingungen im Energiebereich?
  • X tragen explizit zur Armutsbekämpfung bei
    • Ist Armutsbekämpfung als ein ausdrückliches Ziel des Projekts und in den Maßnahmen verankert?
    • Arbeitet das Projekt mit besonders verletzlichen Gruppen zur Verbesserung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lage?
  • O beteiligen die lokale Bevölkerung/Zivilgesellschaft
    • Haben die Betroffenen von Projekten ein Mitspracherecht an Planung, Umsetzung und Monitoring des Projekts?
    • Sind NRO als Vertreter der lokalen Bevölkerung beteiligt?
    • Ist die lokale Bevölkerung direkt beteiligt?
  • O berücksichtigen explizit den Schutz der Menschenrechte
    • Sind Schutz und Förderung der Menschenrechte explizit in Zielen und Maßnahmen verankert?
    • Werden benachteiligte Bevölkerungsgruppen in der Wahrnehmung ihrer Rechte und der Beteiligung an Entscheidungen gestärkt?
    • Befolgen REDD+-Projekte das Prinzip der freiwillig vorab und in Kenntnis der Sachlage gegebenen Zustimmung (FPIC)?
  • O haben Gender-Aspekte integiert
    • Hat das Projekt die Stärkung der Geschlechtergerechtigkeit als Zielsetzung?
    • Setzt es Gender Mainstreaming oder eine Gender Responsiveness Strategie um?
    • Wird die Zielgruppe nach Männern und Frauen differenziert?
    • Werden Frauen und Frauengruppen explizit mit einbezogen?
  • berücksichtigen schutzbedürftige Gruppen bei Anpassungsmaßnahmen
    • Führt das Projekt Anpassungsmaßnahmen durch, die die Lage besonders verletzlichen Gruppen verbessern sollen, besonders in vom Klimawandel am stärksten betroffenen Regionen?

Quellenangaben:
https://www.kfw-entwicklungsbank.de/ipfz/Projektdatenbank/Programm-Waldschutz-Sociobosque-und-REDD-27003.htm Juni 2014

zuletzt aktualisiert: 05.06.2015 | Edit

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